Corona, „die“ und „wir“ – Solidarität geht nur global

Aktuell

In der aktuellen Ausgabe der SPD-Mitgliederzeitung "Vorwärts" schreibt die SPD-Bundestagsabgeordnete Gabi Weber über die neue Solidarität, die nicht nur lokal sehr zu begrüßen ist, sondern darüber hinaus auch global gedacht und umgesetzt werden muss: 

In der Corona-Krise sehen wir viele Beispiele von Hilfe in unserem Umfeld, bei Nachbar*innen, Kolleg*innen und Freund*innen. Solidarität, Nächstenliebe und gegenseitige Achtsamkeit, so kommen wir besser durch diese schwierige Zeit. Es freut mich sehr, wie aktuell das Wort „Solidarität“, ein SPD-Grundwert, zum ganz praktischen Leitsatz vieler Menschen geworden ist. Das ist gut und soll bitte auch diese Krise überdauern!

Ich möchte als Entwicklungspolitikerin aber auch den Blick weiten, obwohl viele bei uns gerade vor der eigenen Haustür existenzielle Sorgen plagen. Im Unterschied zu Entwicklungs- und Schwellenländern gibt es bei uns einen starken Sozialstaat, etwa mit Kurzarbeitergeld, und ein leistungsfähiges Gesundheitssystem. In vielen Ländern Afrikas, Asiens oder Lateinamerikas können die Menschen leider nicht auf diese staatliche Unterstützung und Versorgung zählen, um die Pandemiefolgen einigermaßen abzufedern.

Und falls doch, ist das nächste Krankenhaus oft Stunden entfernt. Unser rheinland-pfälzisches Partnerland Ruanda hatte am 8. April 105 bestätigte Infektionen. Am 22. März wurde dort die erste Ausgangssperre südlich der Sahara erlassen, um die Verbreitung gerade auf dem Land einzudämmen. Internationale Flüge wurden für einen Monat suspendiert, die Grenzen für Ausländer geschlossen, ebenso das Partnerschaftsbüro in Kigali für Publikum, bei Einreise gilt eine 14-tägige Quarantänepflicht. Klingt zunächst ähnlich wie bei uns. Es gibt aber einen entscheidenden Unterschied. In den Entwicklungs- und selbst den Schwellenländern, z. B. Indien, ist es um die soziale Absicherung schlecht bestellt. Ausgangssperren und Fabrikschließungen führen unmittelbar zu Hunger. Die Menschen haben schlicht kein Erspartes. Die dort ohnehin überlasteten Gesundheitssysteme sind auf einen Massenausbruch von CoViD-19 und schnell steigende Krankenzahlen nicht vorbereitet. Die bisher geringen Infektionszahlen in Entwicklungsländern sollten uns nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sehr hohe Dunkelziffern geben dürfte. Mangels Möglichkeiten wird zu wenig getestet. Mittelfristig befürchtet die UNO verheerende wirtschaftliche und soziale Folgen der Corona-Pandemie. Allein in Afrika könnte die Hälfte aller Arbeitsplätze verloren gehen. Die Einnahmeverluste aller armen Staaten drohen sich auf über 220 Milliarden US-Dollar zu belaufen. Ohne Hilfen könnten damit die Fortschritte in der Armutsbekämpfung der vergangenen zwei Jahrzehnte zunichtegemacht werden.

 

Trotz der jetzt auch bei uns großen Herausforderungen müssen wir helfen und tun das auch. Gelder für Entwicklungspolitik dürfen zudem künftig nicht gekürzt werden, um die Krisenfolgen bei uns aufzuarbeiten. Das wäre für viele arme Länder verheerend und würde negativ auf uns zurückfallen. Neue Probleme würden sich entwickeln, die uns dann wieder global treffen: Ausbruch neuer Krankheitsherde, armutsbefeuerte Konflikte mit kriegerischen Folgen etc. Willy Brandt sagte dazu im Mai 1980: „Die Notwendigkeit internationaler Solidarität darf sich nicht allein auf das beziehen, was man von Staaten und internationalen Organisationen erwartet. Sie muß durch viele einzelne Bürger in unseren Ländern geübt werden, denen es vergleichsweise so gut geht und deren Bürger durch kleine Opfer viel beitragen können, um Not zu lindern.“

 

Lokal lernen wir gerade, dass Solidarität uns stärker macht. Wenden wir diese Erkenntnis auf die globalisierte Welt an.

 

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